Aikidô - Prinzipien einer Friedenskunst

 

Bericht über ein einwöchiges Seminar

von Winfried Wagner

im Rahmen des internationalen UNESCO

Master-Studienprogramms in

Peace, Development, Security and International Conflict Transformation

an der Universität von Innsbruck 

 

 

Initiator und Leiter dieses internationalen Master-Studiengangs ist Prof. Dr. Wolfgang Dietrich. Sein Konzept geht von einer Pluralität des Friedensbegriffes aus, d.h. auch wenn alle Menschen von Frieden sprechen, so meinen sie damit doch nicht alle dasselbe! Wolfgang Dietrich spricht deshalb von den „vielen Frieden“ und unterscheidet historisch mehrere Friedensbegriffe. Sein Interesse gilt jedoch überwiegend einem noch zu entwickelnden, integralen Friedensbegriff, der alle bisherigen Anschauungen umfasst plus unter neuesten erkenntnistheoretischen Aspekten um eine bisher weitestgehend vernachlässigte transrationale, d.h. jenseits des rational erfassbaren, kollektiv unbewussten und evtl. spirituellen Perspektive erweitert.

 

Nachdem Friedensarbeit im integralen Friedensverständnis bei sich selbst beginnt, werden die Semesterteilnehmer/innen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit, Rasse und politischer Herkunft in gemeinsamen Unterkünften und Unternehmungen (Projekte) zusammengebracht. Die Teilnehmer/innen kommen aus den unterschiedlichsten Ländern Afrikas, Asiens, Nord- und Südamerika und Europas. Methodisch schöpft dieser integrale Ansatz aus den Verfahren der Humanistischen und Transpersonalen Psychologie (z.B. Gestalttherapie) und der modernen Konfliktforschung. Prof. Dietrich war auf Winfried Wagner durch dessen Bücher und durch seine bisherigen friedensbezogenen Initiativen und Engagements aufmerksam geworden. So nahm W. Wagner 2005 als Seminarleiter an einem Friedensprojekt in der von der UNO kontrollierten Pufferzone von Nikosia, der zwischen Griechen und Türken geteilten Hauptstadt Zyperns, teil. Bei diesem Projekt wurden Angehörige aus Ländern mit konflikthaften Beziehungen, z.B. Griechen und Türken (Zypernkrise), Israelis und Palästinenser (Nahostkrise), Amerikaner und Iraker (Irakkrieg), Serben und Kroaten (Balkankrieg) usw. zusammengebracht. 2009 organisierte er selbst eine Tagung in Schweinfurt zum Thema „Aikidô als Friedenskunst“.


Die Tatsache, dass jemand friedliebend ist, heißt noch lange nicht, dass er auch friedfertig ist. Äußerer Frieden setzt inneren Frieden voraus; das gilt individuell wie kollektiv. Friedfertigkeit muss also durch Erfahrung, Einsicht und Übung erlernt werden. Aikidô bietet hierfür

  • auf der instrumentalen Ebene konkrete Selbstverteidigungs-Skills,
  • auf der zwischenmenschlichen Ebene Fähigkeiten der Kontaktgestaltung und Konfliktbewältigung,                                 
  • auf der innerpsychischen Ebene Maßnahmen der Selbstregulation,
  • und auf der integralen Ebene Maßnahmen der Körper-Geist-Arbeit

an. In seinem Seminar verband Winfried Wagner deshalb Aspekte der traditionellen japanischen Bewegungs- und Kampfkunst Aikidô mit moderner Entwicklungs-, Selbst- und Bewusstseinspsychologie. Es beinhaltete Vorlesungen, Selbsterfahrung und praktischen Übungen. Hierbei unterscheidet das Aikidô mehrere Entwicklungslinien, mit denen die TeilnehmerInnen sich in diesem Seminar beschäftigen:

  • die Entwicklung von Verkörperung (Körperbewusstsein)
  • die Entwicklung von Tugenden des zwischenmenschlichen Zusammenlebens
  • die Entwicklung von Selbstregulations-Kompetenz und
  • die Entwicklung unseres Bewusstseins.